Molkenerzeugnis

Maurice 19. November 2015 0
Molkenerzeugnis

Tatsächlich ist in einigen Energy Drinks auch Milch enthalten. Zwar nicht Milch im herkömmlichen Sinne, aber einige gewitzte Hersteller nutzen ein Milchprodukt -nämlich die Molke- um das deutsche Pfandsystem zu umgehen.

Molke (oder auch Käsemilch genannt) ist ein Produkt, dass in der Käseherstellung abgesondert wird, wenn man Rohmilch gerinnen lässt. Die groben Formeln dabei lauten:

  • Milch + Lab (Enzym: Chymosin und Pepsin) = Süßmolke ⇒ Käse
  • Milch + Milchsäurebakterien = Sauermolke ⇒ Frischkäse od. Quark

In diesem lebensmitteltechnischen Prozess kommt es zu der Abspaltung bestimmter Stoffe von den Milchinhaltsstoffen. So zum Beispiel bleiben Eiweiße wie das Kasein oder Fette nach dem Zentrifugieren in der Milch (dem „Bruch“), während das Nebenprodukt Molke wasserlösliche Vitamine (B1, B2, B6), Calium, Calcium, Phosphor und 0,6 bis 1% wichtiger, aus dem Milchzucker stammende Proteine beinhaltet. Hauptbestandteil ist aber mit 94% das Wasser.

Und genau hier fanden Erfrischungsgetränkehersteller bis vor einigen Jahren eine Gesetzeslücke: Während auf reguläre Getränke auf Wasserbasis 25 Cent Pfand erhoben wurde, waren die mit mehr als 50% Anteil an Milch oder Milcherzeugnissen pfandfrei. Aus einem Energy Drink wurde so schnell die Mogelpackung „koffeinhaltiges Molkemischerzeugnis„, während de facto im Geschmack kein Unterschied zu merken war.
In einem Beschluss (Az. 38 O 26/10) des Landgericht Düsseldorf nach einer Klage des Verbandes des Deutschen Getränke-Einzelhandels e.V. gegen die Firma Rhodius (Hersteller des PowerPoint Energy Drinks) am 29.10.2010 erklärte man die Pfanderhebung als Pflicht für solche Getränkedosen, da sie sich geschmacklich nicht von anderen Erfrischungsgetränken ohne Molke unterschieden und typische Molkeinhaltsstoffe wie Lactose, Calcium, Milchzucker oder Eiweiße nicht festgestellt werden konnten.

Somit handelte es sich um Verbrauchertäuschung und einen Verstoß gegen die Verpackungsverordnung, dem mit diesem Urteil der Riegel vorgeschoben wurden. Seitdem müssen Energy Drinks bzw. allgemein alle Soft Drinks auf dem deutschen Markt mit einem Molkenanteil von 50% und mehr, auf die kein Pfand erhoben wird, neben dem Geschmacksunterschied (woran misst man den?) die typischen Molkeinhaltsstoffe besitzen: Daher sind diese auch nicht für laktoseintolerante Menschen und Veganer geeignet.

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Molkenerzeugnis

von Maurice Lesezeit 2 min
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