Vemma Verve!: Die Hintergründe

Maurice 31. Juli 2014 28
Vemma Verve!: Die Hintergründe

Sicherlich haben viele schon von dem derzeit „gesündesten Energy Drink“ gehört. Die Rede ist von Vemmas Verve Energy Drink, der momentan mehr denn je ein Gesprächsthema in einigen Kreisen ist. Leider steht dabei nicht der Energy Drink an sich im Vordergrund, sondern die Art und Weise, wie er beworben wird.

Was ist also Vemma Verve?

Die Firma Vemma wurde 2004 in den USA ins Leben gerufen und steht für den Verkauf von Energy Drinks und Nahrungsergänzungsmitteln. Seit kurzer Zeit ist zum Beispiel auch der Energy Drink Verve! in Deutschland erhältlich, der durch seine gesunde Wirkungsweise bestechen soll. Einzigartig bisher ist dabei die Mangostanfrucht, die von Forschern und Wissenschaftlern als effektiv gegen Allergien, entgiftend und immunsteigernd angepriesen wird. Doch damit nicht genug; so hat man bei Verve noch weitere gesunde Inhaltsstoffe wie Aloe Vera, Grüner Tee, Mineralien und Spurenelemente hinzugefügt, sowie auf das viel effektivere Guarana vertraut, das im Gegensatz zu Koffein langfristig wirkt.

Rekrutierungsbutton Verve

Was ist also das Problem dabei?

Das Problem bei diesem Energy Drink ist tatsächlich nicht die gelobte Wirkungsweise, sondern die Art und Weise, wie es gelobt wird (Anmerkung: Wir haben versucht, uns über die tatsächliche Nachhaltigkeit und die Wirkung des Getränks zu informieren, warten allerdings aktuell noch auf die Rückmeldungen einiger Ernährungsinstitute. Daher werden wir diese Themen näher in einem ausführlichen Testbericht erläutern).
Vemma vertreibt sein Produkt zu großen Teilen durch Network- bzw Affiliate- Marketing/-systeme. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Produkt von Menschen gekauft wird, die es über Werbung im Internet weiterverkaufen wollen, der Hersteller diese Menschen dazu bei entsprechenden Leistungen aber noch durch Provisionen vergütet.

Bei der Recherche fiel auf, dass hauptsächlich junge Leute (um nicht zu sagen größtenteils Männer) irgendwie darin verwickelt sind. Das Prinzip scheint ganz einfach: „Schnelles Geld durch den Verkauf von Zuhause aus.“
Was klingt wie eine billige Werbung für eine Abofalle, ist in Wahrheit noch viel komplexer, als gedacht.

Wie funktioniert es?

Es gibt zwei Arten von Menschen in der Welt von Vemma: Die Kunden, die das Getränk nur konsumieren wollen und die Affiliaten, die es weiterverkaufen wollen. Laut Anbieter reicht eine Anmeldung ohne weitere Kosten, um das eigene kleine Unternehmen in Gang zu kriegen. Dabei kann man wählen zwischen verschiedenen „Paketen“, die im Nachhinein erst ihre Wirkung zeigen.
Diese sogenannten Brand Partner können sich aber nicht einfach auf die faule Haut legen, sondern werden durch Provisionen und Prämien gelockt. Schafft man es nämlich, innerhalb einer gewissen Zeitspanne weitere Leute für das Unternehmen zu begeistern, erhält man – je nachdem welches Paket von den Neueinsteigern gewählt wird – eine Prämie. Darf man einigen Internetusern allerdings glauben, wird man erst aktiver Partner, wenn man eine gewisse Summe für den Verve Energy Drink bezahlt hat..

Wo ist der Haken?

Ist man erst einmal drin in dieser Welt, scheint einem jeder Weg offen zu stehen: Viel Geld, Arbeit von Zuhause aus, ein schickes Auto. Aber so viel Gutmenschlichkeit sollte Alarm auslösen.
Berichten zufolge können sich die, die sich bei dieser „Arbeit“ wirklich angestrengt haben, nun schicke Autos leasen, was von Vemma herzlich unterstützt wird. Warum? Ein entsprechender Bericht eines Insiders – der natürlich längst wieder aus dem Netz genommen worden ist – berichtet davon, dass man, steigt man aus dem ganzen Business wieder aus, auf dem Leasingvertrag einfach sitzen bleibt und zusehen muss, wie man ihn abzahlt. Sollte dieser Bericht echt sein, stellt sich die Frage, warum denn der Name des Brand Partners eingetragen ist und nicht der von Vemma.

Werbebanner Verve

Ein weiterer Punkt ist die Unbeliebtheit bzw das Misstrauen solcher Methoden gegenüber. Sie sind zwar nicht verboten, aber das ganze Prinzip grenzt schon sehr an „Pyramidensystem“ und wird auch nicht sehr selten kritisch als „Schneeballsystem“ verschrien. Wer sich also einträgt, muss zwangsweise damit rechnen, dass man sich in vielen Kreisen unbeliebt macht, weil man praktisch als Vertreter gilt, der jedem auf die Nerven geht (was man muss, wenn man das Produkt loswerden will).
Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, wie es dazu kommt, dass einfache Leute, die vorher nie etwas mit der Lebensmittel-/Getränkebranche zu tun hatten, auf einmal in den höchsten Tönen und teilweise fanatisch von Verve sprechen und zu wahren Experten auf diesem Gebiet heranreifen. Dabei ist nicht die Rede von einfacher Werbung für ein Produkt, sondern von dauerhafter, aggressiver Darstellung eines Produktes in der Superlative. Forscht man da weiter, gibt es allerdings auch – ich möchte persönlich anmerken: komischerweise- keine bis wenige Stimmen von Insidern, die sich dagegen aussprechen. Entsprechende negative Berichte sind bereits wieder gelöscht oder einfach in der Flut von Lobpreisungen der Verve-Vertreibenden untergegangen.

Ein weiterer Punkt ist die teilweise schockierende Art und Weise, wie der Energy Drink beworben wird. Internetuser berichten davon, dass sie von Vemma kontaktiert wurden und dass ihr Energy Drink das Heilmittel für Krankheiten wie zum Beispiel Multiple Sklerose wäre. Tatsächlich ist diese Wirkungsweise absolut unbewiesen und zeigt, wie skrupellos manche mit dem Leid anderer Menschen Geld verdienen wollen.

Zuguterletzt muss gesagt werden, dass es gar nicht so einfach ist, sich in diesem System zum „großen Geld“ hochzuarbeiten. Ohne Anstrengung über mehrere Wochen und Monate bzw. das gewisse Geschick für Werbung kann man die entstehenden Unkosten nicht decken; besitzt man keinen Youtube-Kanal mit mehreren zehntausend Abonnenten oder hat keine entsprechende Facebook-Seite mit tausenden von Followern, lohnt sich der Aufwand fast gar nicht. Man kann zwar all seine Verwandten und Freunde mit Werbung zuschütten, aber was ist, wenn dieser Weg auch ausgeschöpft ist..?

Fazit

In der Tat besteht bei Vemma Verve die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Die oben angeführten Aspekte werden dabei aber gerne mal zur Seite geschoben und einfach nicht beachtet, bzw. es wird sich häufig einfach nicht damit auseinandergesetzt und man ist sich über die Konsequenzen eines Vertragsabschlusses nicht bewusst. Wir raten niemanden dazu oder ab, sich mit Vemma einzulassen, möchten aber darauf hinweisen, dass es Gutmenschlichkeit noch nie gratis gab.

Anmerkung: Der Energy Drink heisst „Verve!“. Das Ausrufezeichen haben wir in diesem Bericht bewusst weggelassen.

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Vemma Verve!: Die Hintergründe

von Maurice Lesezeit 5 min
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