Rockstar Energy und die Geschichte vom ewigen Dritten

Maurice 13. Dezember 2014 2
Rockstar Energy und die Geschichte vom ewigen Dritten

Im Forbes Magazine, welches am 29.12.14 erscheinen wird, wird sich auch ein Artikel finden über einen Mann, der einen Energy Drink ganz groß gemacht hat: Russ Weiner, der Erfinder von Rockstar Energy Drink, seinerzeit mit einem Einstieg in die Forbes-Liste der reichsten Menschen auf Rang 249, bei einem Vermögen von 2,5 Milliarden US-Dollar.

Der Bericht handelt allerdings nicht von Lobhudeleien und Gratulationen für den Neuling in der Liste, sondern davon, wie es der Mann, der 85% Firmenanteile besitzt, geschafft hat, sein/e Produkt/e auf den dritten Platz der erfolgreichsten Energy Drinks zu bringen.

Ein Politiker als Rockstar

Rockstar Energy wurde 2001 gegründet von Russ Weiner, Sohn des berühmten Radiomoderators Michael Savage, ehemals Mitarbeiter von Skyy Vodka und davor kalifornischer Politiker. Der Umsatz im ersten Jahr betrug 2,8 Millionen Dollar, und das Erfolgsrezept erschien ganz einfach: Eine günstige, bessere und grössere Alternative zu Red Bull. Dazu nutzte er nicht nur die Beziehung zum Skyy Vodka Erfinder Maurice Kanbar aus, die unter anderem dafür sorgte, dass er relativ kostengünstig, wenn nicht sogar gratis, Firmen beauftragen konnte, die Aromen für ihn entwickelten, sondern auch die Tatsache, dass er nur enge Freunde und die Familie mit ins Unternehmen nahm. Seine Mutter Janet zum Beispiel, die die restlichen 15% an der Marke besitzt, ist gleichzeitig Finanzvorstand.

Russ Weiner

Für einige Jahre ging das gut: Der Umsatz stieg jährlich durchschnittlich um 103%, $405 Millionen waren es in 2007. Doch dann folgte die große Ernüchterung. Seit 2007 stagniert die Firma bei einem Zuwachs von etwa 8%, aktuell sind es geschätzt 670 Millionen. Marktwert: Ungefähr 3 Milliarden.
Was für den Otto Normalverbraucher eigentlich ganz gut klingen mag, entpuppt sich bei einem Blick hinter die Kulissen als absolutes Desaster. Nicht nur, dass Monster Energy (die ein Jahr später gegründet wurden) schon längt überholt hat und davongezogen ist (Marktwert: 18,3 Milliarden, Umsatz circa 2,8 Milliarden), auch Russ Weiner zeigt sich unzufrieden.
Laut eigenen Angaben seien die anderen daran Schuld, dass die Marke keine größeren Erfolge feiern kann. Obwohl ein dritter Platz doch gar nicht so schlecht ist, so seine Meinung dazu. Die Verantwortlichen für die Misere: Die Läden, die ihn ablehnen, weil sie schon zu viel hätten. Die anderen Firmen, die den Markt streng regieren und nichts zulassen. Und zu guter Letzt die Kunden, die eine Loyalität gegenüber einer Marke besäßen, von der sie sich nicht abbringen lassen würden.

„Wie bringst du jemanden von einer Sache zu seiner anderen, obwohl diese eigentlich genau das gleiche ist?“

Das Marketing schien für ihn nicht das große Ding zu sein. Nun sieht er aber ein: Je mehr man in etwas steckt, desto mehr bekommt man am Ende heraus. Für ihn galt jahrelang die Devise „Kriegst du Geld, bring es zur Bank“.
Ehemalige Mitarbeiter beschwerten sich darüber, dass sie in der Marketing-Abteilung im Prinzip auf dem Trockenen saßen. Das mache es schwer, mit einem Konkurrenten wie Red Bull mitzuhalten. Für Weiner kein Problem, er sieht die 4%, die aus den Verkäufen direkt in Werbung und anderes investiert werden (bei Monster sind es 8%) längst als genug an. Auch der Deal, der 2005 mit CocaCola geschlossen wurde, platze 2009 wieder; man hatte unterschiedliche Interessen und für den Cola-Hersteller seien die Models, die von Rockstar Energy engagiert wurden, nicht die Art von Werbung gewesen, die sie sich gewünscht hatten.

Auch die Politik, die Weiner innerhalb der Firma betreibt, scheint ein Faktor zu sein. Ehemalige Mitarbeiter sagen, er führe ein hartes Regiment, die Richtlinien gebe er vor, und über jede grössere Entscheidung (wie Verträge mit Sportlern oder Supermarktketten) wird hinter seinem Schreibtisch entschieden. Das Problem sei, dass er im Hier und Jetzt lebe, die Zukunft oder Planungen bereiten im Schwierigkeiten. Das Alles plus seine Sturköpfigkeit, Eigensinnigkeit und der Jähzorn habe vielen Führungskräften den Job gekostet – und letztendlich auch „nur“ den dritten Platz beschert, abgeschlagen hinter Monster Energy und Red Bull.

Russ Weiner

Eine Familie im Wunschdenken

Lösungen? Mehr Geschmacksrichtungen, sagt Weiner. Sowieso habe man schon bessere Aromen als Monster und Red Bull spreche die Jugend nicht an, man sei dort nicht hip genug. „Wunschdenken“ mag da so manch einer denken. Aber am Ende werden eh die anderen Schuld sein, falls es doch nicht klappen sollte.

Originalbericht von Abraham Brown: Artikel im Forbes Magazine

Fotos: www.modelsansmoguls.com, sowie Ethan Pines (Forbes)

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Rockstar Energy und die Geschichte vom ewigen Dritten

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