Kommentar: Der Abstieg der Energy Drinks

Maurice 6. November 2015 0
Kommentar: Der Abstieg der Energy Drinks

Auf meiner Suche nach neuen Energy Drinks bzw. neuen Shops, die insbesondere amerikanische Dosen anbieten, ist mir klar geworden, dass diese Arbeit gar nicht mehr so einfach wie früher ist. Wenn man sich länger nicht aktiv damit befasst hat, fällt schnell auf, dass ein Wandel stattgefunden hat, der sich durch verschiedene Merkmale äußert. Das Lifestyle-Produkt „Energy Drink“ verliert seinen Ruf.

Ein übersättigter Markt reinigt sich selbst

Vor einigen Jahren (2011), als ich mit dem Blog „Energized“ und damit mit dem Testen von Energy Drinks angefangen habe, konnte man sich kaum retten vor der Masse an Getränken, die einem fast hinterhergeworfen wurden. Auf jeder Suchseite bei Google konnte man in einer neuen Sitzung ein neues Getränk finden. Die leistungssteigernden Dosen waren groß in Mode und jeder erhoffte sich durch sein Getränk den Durchbruch auf dem von Marken wie Red Bull dominierten Getränkemarkt, ganz nach dem Vorbild 28 Black (damals Schwarze Dose 28), rhino’s Energy und Co. Schon zu diesem Zeitpunkt sprach man von einer Übersättigung, da im Tagesrhythmus neue Dosen kamen und wieder verschwanden.
Viele dieser Getränke waren sog. Red Bull Klone, also billigere Versionen der erfolgreichsten Energy Drink-Marke der Welt.

Die unweigerliche Folge dieser Überfütterung des Marktes bestand aber nicht nur in dem Verschwinden vieler kleiner Unternehmen, auch bekannte Hersteller wie rhino’s oder Rockstar Energy mussten immer wieder einige ihrer Kreationen vom Markt nehmen. Zuletzt wurde bekannt, dass der deutsche Rockstar-Hersteller PepsiCo die Sparkling-Reihe nach nicht einmal zwei Jahren wieder aus dem Portfolio strich, da wie so oft der Absatz nicht wie gewünscht positiv war.

Absatz

Vom Lifestyle-Getränk zur Grabbeltisch-Ware

Wie vor Kurzem berichtet, findet aktuell ein Preiskampf zwischen den Discountern statt, die sich gegenseitig durch niedrige Preise übertrumpfen wollen. Gut für den Kunden, allerdings verkommt der vor einigen Jahren noch als „hochwertiges“ Getränk angesehene Energy Drink damit endgültig zu der Art Massenware, die selbst in der Sonderposten-Abteilung noch einen günstigen Platz findet.

Darunter leiden mussten vor allem Online Shops, die sich nun darüber beklagen, dass das Geschäft mit den importierten Energy Drinks nicht mehr rentabel genug sei. Einige bekannte Shops warfen hier schon das Handtuch und strichen Monster & Co. aus dem Sortiment. Gerade als Sammler gestaltet sich die Suche nach bekannten US-Getränken daher momentan als extrem schwierig.

Früher Energy Drink, heute Nahrungsergänzungsmittel

Vor einiger Zeit noch zählte der Energy Drink noch als eine Art etwas stärkerer Soft Drink. Doch damit ist es vorbei, seitdem die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie in diesen Sektor einzog: Da viele Menschen aktuell sehr fitnessbewusst leben wollen, erklärte man das Getränk als ungesund und änderte das Programm. Bekannte Hersteller stellten Diät-Drinks und zuckerfrei bereit, Proteinshakes und „hochgesunde“ Früchte kamen auf den Radar.
Dubiose Firmen und Multi-Level-Network-Anbieter versprachen das dicke Geld, wenn man sein Fitnessprodukt vertreibt. Das noch relativ „neue“ Konzept Energy Drink bekam in der Öffentlichkeit einen Makel, da unter anderem das Internet davon überschwemmt wurde, sodass man als Neuling nicht mehr drumherum kam, leistungssteigernde Drinks mit Fitness und damit teilweise (!) Geldmacherei zu verbinden.

Muscle Strawberry II

Gefundenes Fressen für die Medien

Diese Punkte sind natürlich in irgendeiner Art und Weise sehr entgegenkommend für die Medien, die einmal im Jahr eine Großoffensive gegen Energy Drinks starten und erklären, wie schädlich diese Art von Produkt wirklich ist. Dazu sei gesagt, dass nicht die umstrittene (Un-)Gefährlichkeit hier kritisiert wird, sondern die Argumentationsweise. Dass das Alltagsgetränk für die eigenen Zwecke (Geld) durch den Preiskampf (Medien-Argument: leichtere Beschaffbarkeit) und dem Verkommen zum Nahrungsergänzungsmittel (Medien-Argument: Geldmacherei) so ins schlechte Licht gerückt wird, ist für den Ruf nicht gerade hilfreich. Energy Drinks: Die Talfahrt vom beliebten Soft Drink zur Fitness-Schleuderware.

Foto Anzeigebild: Earl S. Creyer

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von Maurice Lesezeit 3 min
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